Was ist Gewaltfreie Kommunikation?
Den Prozess der „Nonviolent Communication“, also der
Gewaltfreien Kommunikation (GfK) begann Dr. Marshall
Rosenberg im Jahre 1963 zu entwickeln. Dabei
beeinflusste ihn auch seine Auseinandersetzung mit der
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den frühen
1960ern. Seitdem hat er die „Gewaltfreie
Kommunikation“ ständig verfeinert und weiterentwickelt.
Um den wachsenden Trainingsbedarf abzudecken,
gründete Dr. Rosenberg im Jahre 1984 das Center for
Nonviolent Communication (CNVC), das sich seitdem zu
einer internationalen Organisation entwickelt hat.
Mittlerweile hat Dr. Marshall Rosenberg mit Unterstützung von derzeit weltweit ca. 250
zertifizierten Trainerinnen und Trainern die Gewaltfreie Kommunikation in
über 65 Ländern weitergegeben.
Methodisch empfiehlt Marshall Rosenberg die 4 Schritte, um uns so
auszudrücken, dass wir verstanden werden und dabei die Beziehung
zueinander stärken: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte und er beschreibt
3 Prozesse, die diesem Zweck dienlich sind: Selbstempathie, Aufrichtigkeit
und Empathie. Wesentlich dabei ist, dass es sich bei der Gewaltfreien
Kommunikation nicht um eine Methode oder um ein Modell handelt, sondern
vielmehr um eine Haltung, mit der wir mit uns und mit anderen Menschen
umgehen wollen. Gewaltfreiheit beschreibt eine Haltung und Handlungen mit
denen wir sowohl unsere Bedürfnisse, als auch die unseres Gegenübers, als
auch die aller Menschen berücksichtigen wollen. Das Bedürfnis nach
„Nahrung“ ist somit nicht gestillt, wenn ich oder meine Familie satt ist,
sondern erst dann, wenn alle Menschen, alle Lebewesen, genügend zu Essen
haben. Darin zeigt sich die Haltung und das Menschenbild der Gewaltfreien
Kommunikation: Wir sind alle eins, haben die gleichen Bedürfnisse und
werden getragen und sind Ausdruck der gleichen allumfassenden Energie.
Darin sind wir verbunden und dadurch ist es uns auch möglich, uns
empathisch zu verbinden, uns zu verstehen. Es geht nicht um ein
Gegeneinander, sondern um ein Miteinander; nicht um Macht über andere,
sondern um die Kraft, im Miteinander etwas zu gestalten. Es geht nicht um
„gewinnen“ oder „verlieren“, sondern um ein Leben in Gemeinschaft und
Respekt vor Mensch und Natur und gegenseitiger Wertschätzung.
Letztendlich zielt auch die Gewaltfreie Kommunikation auf die „Goldene
Regel“ des Zusammenlebens ab: Alles, was ihr wollt, dass euch die
Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso.
Gewaltfreie Kommunikation beschreibt dabei den Weg, wie wir miteinander in
Kontakt kommen als Mittel zum Verständnis. Sie schließt jede Art mit ein, die
diesem Zweck dient, sei sie verbal, nonverbal oder abseits jeglicher
Verbalität. Gewaltfreie Kommunikation braucht sich somit nicht in den 4
Schritten auszudrücken. Oft öffnet ein Lächeln oder Musik oder ein Bild mehr
Herzen als viele Worte. Die Methodik der 4 Schritte ist lediglich ein Hilfsmittel,
Handwerkszeug, mit denen wir lernen können uns auszudrücken. Der Begriff
Gewaltfreie Kommunikation stößt immer wieder auf Ablehnung und Kritik,
dass er zu implizieren scheint, dass wir alle „gewalttätig“ seien. Leider steht
„gewaltfrei“ auch im direkten Widerspruch zu dem, was die Gewaltfreie
Kommunikation lehrt, nämlich zu benennen, was wir wollen, anstatt zu sagen,
was wir nicht wollen. Aus diesem Grund bezeichnet Marshall Rosenberg die
Art, sich in dieser Weise auszudrücken, lieber als „eine lebensbereichernde
Sprache“, „eine Sprache des Herzens“ oder „Giraffensprache“. Wie das aber bei vielen Dingen so ist, bleibt auch
hier der Name bestehen, der ursprünglich gefunden wurde, eben Gewaltfreie Kommunikation. Der Begriff ist
inzwischen durch die Vielzahl der Buchveröffentlichungen weltweit etabliert und bekannt.
Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation
Die Intention der Gewaltfreien Kommunikation liegt darin, sich zu verbinden und die Beziehung zu stärken.
Empathie beschreibt dabei die Präsenz, in der wir verbunden sind,
d.h.: „Ich bin jetzt da und bereit,
alles zu hören, was dich bewegt, was in Dir lebendig ist. Ich bin
bereit, all Deine
Gefühle und Bedürfnisse zu hören, auch wenn sie sich hinter
anderen
Worten verstecken.“
Alle Menschen haben im Grunde die gleichen Bedürfnisse.
Dabei besteht eines unserer wichtigsten Bedürfnisse darin,
zum Wohlergehen anderer beizutragen.
Gewalt und Konflikte entstehen auf der Ebene der
Strategien, das heißt der Art, wie wir unsere Bedürfnisse
erfüllen wollen. Z.B. indem wir uns gegenüber anderen
durchsetzen oder etwas über uns ergehen lassen. Unsere
Bedürfnisse zu kennen, die eigenen und die des
anderen, erleichtert uns, Wege im Konsens oder
zumindest einen Verhandlungsspielraum mit anderen
zu finden.
„Richtig und falsch“, „gut“ und „böse“, „Du oder ich”,
„entweder, oder“ sind Ausdruck eines Bewertungssystems,
dessen Grundannahme darin besteht, dass Ressourcen rar sind und nicht
genug für alle da ist. Eine lebensdienliche Kultur geht davon aus, dass die
Bedürfnisse aller zur selben Zeit gestillt werden können und sieht den Reichtum.
Bewertungen sind lebensnotwendig und lebensdienlich, wenn sie sich an unseren Bedürfnissen orientieren.
Bsp.: „Wenn Du Dir die Ohren zuhältst, während ich mit Dir rede, mache ich mir Sorgen, weil mir wichtig ist, dass
jeder gehört wird.“ In diesem Fall bewerte ich den Auslöser „Ohren zuhalten“ als nicht hilfreich um mein
Bedürfnis danach „gehört zu werden“ erfüllt zu bekommen. Meine Absicht dahinter lautet, dass ich mich mit dem
anderen verbinden möchte. Bewertungen, die uns voneinander trennen sind Zuschreibungen des Verhaltens auf
die andere Person und Verallgemeinerungen. „Wenn Du Dir die Ohren zuhältst, während ich mit Dir rede, bist Du
unhöflich und genauso ein Trotzkopf, wie alle Kinder in Deinem Alter.“
Was auch immer wir tun, es ist das Schönste und Beste, das uns im Moment zur Verfügung steht, um unsere
Bedürfnisse zu erfüllen. Jedem Verhalten liegt die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zugrunde – nicht die
Einschränkung von Bedürfnissen anderer. Wann auch immer es zu Einschränkungen kommt, können wir uns auf
die Suche machen, nach alternativen Wegen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen – um unser Repertoire zu
erweitern.
Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich, da die Ursache in unseren Bedürfnissen selbst liegt. Das
Verhalten des Anderen kann nur Auslöser sein. Wir alle sind aber verantwortlich dafür, wie wir aufeinander
zugehen, mit welcher Absicht dies geschieht und wie wir mit der Reaktion des anderen umgehen.
© Frank Gaschler 2007
Literaturliste zur Gewaltfreien Kommunikation
Gewaltfreie Kommunikation, Aufrichtig und
einfühlsam miteinander sprechen, Neue Wege in
der Mediation und im Umgang mit Konflikten,
Marshall B. Rosenberg, aus dem
Amerikanischen von Ingrid Holler; Junfermann,
Pader-born 2001, ISBN 3-87387-454-7
Ich will verstehen, was du wirklich brauchst,
Gewaltfreie Kommunikation mit Kindern - Das
Projekt Giraffentraum
Mit einem Vorwort von Marshall B. Rosenberg,
Frank Gaschler, Gundi Gaschler, Kösel Verlag,
ISBN: 978-3-466-30756-2
Respektvoll miteinander leben, Sura Hart,
Victoria Kindle Hodson, Junfermann, ISBN:
3873876582
Von Herzen Eltern sein, Inbal Kashtan,
Junfermann Verlag, ISBN 3873875748
Empathie im Klassenzimmer, Sura Hart und Victoria Kindle Hodson,
Junfermann, ISBN 978-3873875807
Aufwachsen in Vertrauen, Erziehen ohne Strafe und Belohnungen.
Gewaltfrei miteinander leben, Mol, Justine, Junfermann
ISBN: 3-87387-689-2
Die Giraffe und der Schakal in uns, Mol, Justine, Junfermann, ISBN:
3-87387-752-X
Lebendige Spiritualität, Gedanken über die spirituellen Grundlagen
der GFK, Rosenberg, Marshall B., Junfermann, ISBN: 3-87387-600-0
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